Fünf-Sterne-Hotel für Insekten
17. September 2008
Wie die Bauepoche zu einem Mehrgenerationenprojekt wurde
Die Bauepoche der 3.Klasse von Frau Böttger lag an, als der Vorschlag einer Mutter am Elternabend wie ein Samenkorn in die Gedanken fiel: Wir schaffen ein Zuhause für die gefährdeten Insekten, die in unserer aufgeräumten Landschaft kaum geeignete Unterkunft finden, wo sie ihr Brutgeschäft vollbringen können. So werden es immer weniger und die Schädlinge im Garten immer mehr, weil keiner sie mehr weg frisst.Die Bauepoche kam heran, und ein kindgerechtes, lehrreiches und sinnvolles Projekt wurde entwickelt.
Die Klassenlehrerin war bald mittendrin und begann die Fäden zu spinnen. Zunächst wurden Mitstreiter gesucht, zwei Opas und zwei Omas wurden zu Bauleitern ernannt. Sie brachten Fachkenntnisse ein, die gut zu gebrauchen waren. Ein Großvater war Maurermeister und der andere war 30 Jahre Techniklehrer gewesen. Das passte haargenau. Und so konnte es losgehen.
Im ersten Planungsgespräch wurden Aufgaben
verteilt, das Material bestimmt, der
Zeitplan erstellt, Arbeitsschritte koordiniert
und die Finanzen geordnet.Frau Böttger hatte bei der Gesellschaft Deutsches Bundesinstitut für Umwelt, mit Sitz in Osnabrück, Finanzierungshilfe beantragt. Nach der Zusage von 1000,-€ konnten wir das Holz bestellen.
Die perfekte Konstruktionszeichnung des Bauleiters – Holz ermöglichte die passgenauen Angaben bei einem Ottersberger Holzhändler, der nicht nur prompt lieferte, sondern auch einen sehr jugendfördernden Endpreis einsetzte, weil er unser Projekt für unterstützenswert hielt. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Das Lärchenholz ist schwer zu beschaffen, aber wir legten Wert auf Haltbarkeit. An einen Schutzanstrich war nicht zu denken. Dann würden unsere gewünschten Gäste nicht einziehen!
[…]
Auf dieser Baustelle arbeitete die Bauleiter- Oma, die 35 Jahre Lehrerin gewesen ist. Sie wurde fleißig unterstützt von mehreren Müttern. Das war eine gute Zusammenarbeit. Hier wurden die „Zimmer“ für den Rohbau im Garten hergestellt.
Wir hatten eigentlich drei Baustellen. Die
erste war im Garten, wo zehn Schüler unter
der Anleitung der beiden Bauleiter das Holzfachwerk
des Hotels erstellten. Sie lernten,
wie man Fundamente schafft, hoben die
Streifen aus und füllten sie mit Beton, der
festgestampft wurde, holten dafür Kies und
Wasser herbei und lernten die Arbeiten zu
planen und vorzubereiten. So gehörte das
Aufräumen immer dazu!
In den Beton wurden die Anker für die
Gerüstbalken eingelassen. Auch eine Flasche
mit dem sauber aufgeschriebenen Segensspruch
für unseren Bau kam in einer kleinen
Feier in das Fundament. Wir hatten jeder
unseren Wunsch in die Flasche gehaucht. Der
Bau möge gelingen, die Handwerker mögen
von Verletzungen verschont bleiben, die
späteren Bewohner mögen glücklich sein,
der Garten möge durch unsere Arbeit Schutz
vor Schädlingen bekommen, wir alle mögen
in den kommenden Wochen viel lernen und
viel Gemeinschaft erleben. Die Feier war ein
Erlebnis!
[…]
Wir lernten sehr schnell, dass wir sorgsam mit dem Material umgehen mussten, weil es z.B. kaum Stroh heutzutage gibt. So wurde das Aufräumen auch immer zu einer Rettungsaktion für runter gefallenes Baumaterial. „Halt! Das können wir noch brauchen!“, hieß es beim Ausfegen. Sehr schnell fühlten sich die Schüler für das Ziel – für unser Bauwerk – verantwortlich. Sie waren auch stolz auf die vielen Zimmer, die sie an einem Morgen fertig stellten.
Beim Herstellen der Unterschlupfzimmer für die Ohrwürmer musste man oft lange warten, bis der Seitenschneider frei wurde.
Wir hatten nur einen Seitenschneider, und ich war gespannt, wie wir dieses Kapitel meistern würden. Wir füllten also die Blumentöpfe mit Holzwolle, umschlossen die Öffnung mit Hühnerdraht, der aus einem großen Stück herausgetrennt werden musste, wofür man die Zange brauchte. Dann wurde ein Draht durch das Loch im Boden gefädelt, der oben den Hühnerdraht festhielt und unten mit einem Stöckchen befestigt wurde. Alles war sehr mühsam, aber wir haben eine ganze Reihe fertig gestellt. Man kann solche Blumentöpfe auch gut im Garten aufhängen. Es muss ja nicht immer gleich ein ganzes Insektenhotel sein! Die Ohrwürmer ernähren sich auch von Blattläusen und sind so gesehen unsere Freunde. Die Gespräche über die Insekten waren nur so eingestreut. Es ging in diesem Abschnitt mehr um das Handwerkliche. Das Interesse ist aber augenscheinlich geweckt. Hier kann man dann später gut anknüpfen und mehr über diese Tiere erarbeiten.
[…]
Unser Hotel ist nicht vollkommen fertig .Es ist noch Platz für einen Schaukasten, der mit durchsichtigen Schläuchen und einem abnehmbaren Deckel die Möglichkeit bietet, vorsichtig nach der Brut zuschauen. Diesen Bau wird ein Vater nachliefern. Auch ein Hummelkasten ist noch in Arbeit. Außerdem bietet sich auch noch ein Florfliegenkasten an. Ach, es ist doch gut, dass man immer wieder gebraucht wird!
[Dieser Bericht ist gekürzt. Den kompletten Bericht können Sie in Einblicke (PDF 2,2 MB) nachlesen]
[von Oma Karla Pfingsten]
