Die Arbeit der Förderkonferenz
Von Systa Petersen
An einer Waldorfschule hat jedes Kind die Zeit, die es braucht, um zu lernen und sich zu dem zu entwickeln, der es werden will. Manche sind schnell, andere langsamer. Manche wachen erst spät auf für die Welt und es gibt viele Beispiele von Menschen, die ein glückliches und erfülltes Leben führen, obwohl sie den Großteil ihrer Schulzeit verträumten. Wann also ist es notwendig, ein Kind individuell zu fördern und es im Rechnen, Schreiben, Lesen oder in den Sprachen zu unterstützen?Man weiß heute, dass Kinder, die Lernprobleme haben, in ihrem Selbstwertgefühl empfindlich gestört sind und in der Regel viele Strategien entwickeln, um zu vertuschen und zu kompensieren. Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche und Legasthenie sind nicht durch Abwarten und Appellieren an den guten Willen zu überwinden. Aber auch eine nicht wertgeschätzte Hochbegabung, die keinen Raum zur Entfaltung hat, kann Probleme machen. Unter- oder überforderte Kinder brauchen viel Kraft für die tägliche Arbeit im Unterricht, ermüden bald und stören den Unterricht. Die Hausaufgaben sind oft eine Qual, auch für die Eltern.
Je früher ein Problem erkannt wird, desto einfacher ist es, dies zu lösen.
Seit etwa 10 Jahren wird deshalb an unserer Schule die so genannte Zweitklass- Untersuchung durchgeführt, in der jedes Kind auf seine neuromotorische Reife hin betrachtet wird. In diesem Zusammenhang wird auch ein Blick auf die Lese- und Schreibvoraussetzungen sowie den Zahlensinn geworfen. In einem anschließenden Elterngespräch werden bei Bedarf Abmachungen getroffen, die dem Kind und den Eltern helfen sollen, eventuelle Probleme zu lösen. Nicht immer ist gleich deutlich, welches der richtige Weg sein könnte, und die Eltern werden an weitere Stellen empfohlen. Das kann die Kinderärztin sein, ein Augenarzt, eine Lerntherapeutin, ein Ohrenarzt...
Die Förderkonferenz ist ein Gremium, das über Möglichkeiten berät und Unterstützung unterschiedlichster Art anbietet. In der Regel ist es der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin, die sich mit einer Sorge ein Kind betreffend an die Förderkonferenz wendet, mitunter aber auch Eltern oder, aus der Oberstufe, ein Schüler, eine Schülerin selbst.
Zunächst versuchen die Teilnehmerinnen der Konferenz sich ein Bild zu machen, indem sie den Lehrer oder die Lehrerin sowie die Unterlagen befragen. Der nächste Schritt ist eine Hospitation im Unterricht und häufig, vor allem bei Unterstufenschülern und -schülerinnen, eine Extrastunde, um eine Diagnose zu erhalten. Die gesammelten Erkenntnisse werden erneut in der Konferenz beraten. Schließlich wird eine Maßnahme beschlossen. Dies sind Extrastunden für einzelne Kinder oder kleine Gruppen während des Schulvormittags, je nachdem während des Hauptunterrichts, in den Fachstunden oder in Randstunden. Über einen vorher festgesetzen Zeitraum wird die Arbeit dokumentiert und anschließend erneut beraten, dann fortgesetzt oder, wenn nötig, verändert.
Die Förderkonferenz führt auch Kinderbesprechungen durch, wobei der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin teilnimmt.
Immer geht es um die Frage, was ein Kind braucht und was getan werden kann, um seine Lebenskraft zu pflegen und ihm zu helfen, mit Mut und Vertrauen in die Zukunft zu gehen.
- Förderarbeit
- Förderverein
