Mathematik

Übergeordnete und allgemeine Unterrichtsziele: "An der Waldorfschule wird im Rechenunterricht eine Gliederung in drei Stufen vorgenommen. Auf der ersten Stufe, welche die ersten fünf Schuljahre umfasst, wird das Rechnen aus einem mit den Lebensfunktionen des Kindes noch intim verbundenen Tätigkeitsbereich herausgeholt und allmählich in der Richtung von innen nach außen erweitert. Auf der zweiten Stufe in den Klassen 6 - 8 tritt vor allem der praktische Aspekt in seine vollen Rechte ein. Der Übergang zur dritten Stufe vom 9. Schuljahr aufwärts ist durch das Hinzutreten des rationalistischen Gesichtspunktes charakterisiert." (aus: H. V. Baravalle "Rechenunterricht und der Waldorfschulplan") Die Geometrie als Teil des Mathematikunterrichtes beginnt ab der 5. oder 6. Klasse und wird in gesonderten Epochen unterrichtet. Vorausgegangen ist z. B. das Formenzeichnen in Klassen 1 - 4, durch das die SchülerInnen auf die Grundlagen der Geometrie schon vorbereitet sind. Eine der Leitideen dieses Faches ist die Entwicklung und die Förderung des anschaulichen räumlichen Vorstellungsvermögens.

Die Mathematik spielt eine wichtige Rolle im Fächerkanon der Oberstufe, denn in ihr werden verschiedene Formen des Denkens erübt und Sicherheit und Klarheit in der Erkenntnis angestrebt.
Einer der Grundgedanken des Lehrplans für die Oberstufe ist es, den Schüler mit bestimmten Inhalten des Lehrstoffes erst dann zu konfrontieren, wenn diesen Inhalten ein innerer Reifegrad des Schülers entspricht.

So kann es sein, dass manche Inhalte der Mathematik später gebracht werden als an der Regelschule, dafür aber sehr intensiv. Ein Beispiel dafür ist die Differential- und Integralrechnung, die über graphische Darstellungen von Funktionen in Klasse 11 angelegt, in Klasse 12 dann ausführlich behandelt wird.

Der Stoff wird dabei allerdings nicht stur durchgepaukt: In der 9. Klasse führen SchülerInnen Kegelschnitte rein konstruktiv durch und das Feldmesspraktikum in Klasse 10 vermittelt die Inhalte der Trigonometrie in einer Form, die Anwendungsmöglichkeiten für das Gelernte bietet. Komplexe mathematische Zusammenhänge wie die Vektorrechnung werden erst in der 12. Klasse vermittelt, da sich die SchülerInnen nun leichter tun, diese Denkarten nicht nur anzuwenden, sondern zu begreifen. Selbstverständlich werden die angehenden Schulabgänger schließlich mit allem mathematischen Wissen versorgt, welches sie für die auch bei uns stattfindenden zentralen Abschlüsse benötigen.

Mit freundlichem Dank an die Waldorfschulen Hamburg und Ulm.

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