Eurythmie

Eurythmie (griechisch: schöner Rhythmus) wird in der Waldorfschule in den Klassen 1-12 unterrichtet.

Es ist ein sozialkünstlerisches Fach, das einem von Jahr zu Jahr aufeinander aufbauenden Lehrplan folgt und mit einem künstlerischen Abschluss in Klasse 12 endet. Der Lehrer begleitet die Kinder auf ihrem Entwicklungsweg zu jungen Erwachsenen, die körperlich geschickt und seelisch beweglich, selbstbewusst und sozial verantwortlich handeln. Die Eurythmie zeigt einen Übungsweg auf, Einseitigkeiten im Fühlen und Denken auszugleichen, indem sie dem Schüler den Raum bietet, sich zu zentrieren und zu erden. Sie schult Achtsamkeit, Konzentration und Initiative.

„Fühlen wie ein Vogel fliegt und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen.“ R.M.Rilke

In der Unterstufe schlüpfen die Kinder in die Bildersprache der Märchen, Naturstimmungen und Tier- und Handwerkergeschichten. Aus dem unmittelbaren seelischen Miterleben gestalten wir die Bewegung. Spielerisch und selbstverständlich tauchen die Kinder in die Lautgebärden ein, die sie mit den Armen gestalten. Sie folgen den Rhythmen mit ihrem natürlichen Bewegungsdrang und freuen sich über die Vielfalt der Bewegungsmöglichkeiten. Konzentration- Entspannung, Ernst- Heiterkeit, Tempo- Ruhe folgen einander ausgewogen.

„Mensch, werde wesentlich. Denn wenn die Welt vergeht, fällt der Zufall weg. Das Wesen, das besteht.“ A.Silesius

In der Mittelstufe erleben die Schüler die Pubertät. Wechselvolle Stimmungen beginnen das Denken, Fühlen und den Willen zu ergreifen. Der Körper folgt der Erdenschwere. Klare geometrische Raumformen geben den Schülern Orientierung und Klärung im Denken. Dynamische Übungen regen den Willen an. In den Gegensätzen von schnellen, frischen Rhythmen und stimmungsvollen Melodien sowie dramatischen und heiteren Dichtungen finden sie einen Raum, ihre fehlende äußere und innere Balance wiederzugewinnen. Sie üben sich darin, ihre Gebärden und Wege mit denen der Mitschüler sorgfältig zu koordinieren, um ein gemeinsames Ganzes zu gestalten.

„Ich und Du sind Wir“

In der Oberstufe arbeiten die Schüler über ein ganzes Jahr an anspruchsvollen Musiken und Gedichten mit entsprechenden Choreografien. Ihre Bewegungen und Gebärden sind nun nur noch selten Alltagsbewegungen. Sie werden dafür immer stärker von einem wachsenden Bewegungsbewusstsein heraus geführt und seelisch ergriffen. Die Gruppe ist Lernort einer sozialen Gemeinschaft. Beim Entwickeln eines Selbstbewusstseins ist sie der Spiegel für das gelungene Wahrnehmen der anderen. Der Einzelne ergreift als Teil eines Teams selbständig Initiative und bezieht die anderen mit ein. Vereinbarungen und Absprachen werden immer wieder neu getroffen. Die künstlerische Darstellung am Ende der 12. Klasse ist das Ergebnis der Entwicklung und Umsetzung künstlerischer und sozialer Fähigkeiten.

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